Es braucht nicht viel um Lightning Downloads zu unterstützen

  • VOTE für uns bei RaidRush
    Kauft oder verlängert Euren Premium Account über einen der folgenden Links, Euch entstehen KEINE zusätzlichen Kosten aber Ihr unterstützt dadurch Lightning Downloads!
    Oder eben per BTC / PayPal

    Uploaded.net DropAPK VOTE @ RaidRush DropAPK Bitcoin Donation

Weihnachten Geschichte Kinder/Jugend Bescherung mit Hindernissen

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Spuren im Schnee
Wo bleiben nur alle? Nils Fröhlich steht am Fenster. Es wird langsam dunkel. Zum ersten Mal ist er ganz alleine zu Hause geblieben. Mama und Papa müssen noch allerhand Besorgungen machen und später Maja abholen.
Maja ist schon acht und will Eislaufprinzessin werden. Dafür trainiert sie fast jeden Tag. Nils mag das Eis nicht. Es ist hart und kalt. Immer, wenn er hinfällt, lacht Maja ihn aus. Und immer, wenn er sich fürchtet, lacht sie auch.
Deshalb hat Nils vorhin gesagt, dass es ihm gar nichts ausmacht, allein zu bleiben. Immerhin ist er fast sechs und schon ziemlich groß. Aber jetzt…
Zum Glück ist Smilla da. Sie würde bellen, wenn ein Einbrecher käme. Ganz bestimmt würde sie das, denkt Nils und dreht den Kassettenrekorder lauter. Irgendwie gruselig, die Stille im Haus. Und das Zwielicht draußen.
"So ist es eben kurz vor Weihnachten", hat Mami neulich erklärt, "da sind die Nächte lang und die Tage kurz." Zum Glück hat es geschneit - dann wird es nie so ganz finster. Unberührt liegt der Neuschnee im kleinen Gärtchen, zu dem es nur einen Zugang gibt: die Hintertür des Hauses, in dem Nils wohnt.
Doch da - was ist das? Nils erstarrt: Spuren im Schnee. Riesige Fußabdrücke - sie sind ganz frisch! Und sie führen nicht von der Hintertür in den Garten, sondern … Nils wagt kaum zu atmen, als er begreift, woher die Spuren kommen!
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Der Hexenhauskamin
Nils reibt sich die Augen. Aber die Trittspuren im Schnee verschwinden nicht. Die waren doch vorher noch nicht da! Und jetzt plötzlich …
Aber am schlimmsten ist, dass sie vom Hexenhäuschen herzukommen scheinen. Von diesem unheimlichen, kleinen Haus, das verwunschen ist, wie Maja behauptet. Sie hat neulich durch die schmutzigen Fensterscheiben hineingeschaut und geschworen, dass darin Fledermäuse und verzauberte Kröten hausen.
Nils weiß natürlich, dass sie flunkert. Aber selbst nachgeschaut hat er dann lieber doch nicht. Bis heute. Und nun weiß er nicht, was er tun soll.
Er legt sich aufs Bett, setzt die Kopfhörer auf und schließt die Augen. Ganz fest. Eine lange Minute hält er es aus. Dann muss er wieder nachschauen.
Im Garten ist niemand zu sehen. Kinder spielen um diese Uhrzeit längst nicht mehr draußen. Es ist zu kalt und zu dunkel. Und Erwachsene betreten den Hinterhofgarten sowieso fast nie.
Aber jetzt muss es doch einer getan haben. Jemand, der im Schnee riesige Spuren hinter-lässt. Und - Nils traut seinen Augen kaum: Jemand, der es sich im Hexenhäuschen gemütlich macht. Dort, wo seit Jahren kein Mensch war, steigt jetzt ein leiser Rauch aus dem Kamin
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Wer lacht da?
Es gibt keine andere Erklärung dafür: Jemand hat sich im Hinterhaus verkrochen. Dort lebt seit langer Zeit niemand mehr, es steht schon monatelang leer. Natürlich ist es ein ideales Versteck!
Der Rauch, der aus dem Kamin des kleinen Hauses aufsteigt, scheint sich über Nils lustig zu machen - tänzelnd steigt er auf in den dunklen Winterhimmel.
Ist er wirklich ein Feigling? Ein Angsthase? Ein Mamakind, wie Maja immer sagt? Nils wird wütend. Auf Maja, auf den Einbrecher - und am allermeisten auf sich selbst.
Schließlich fasst er einen Entschluss: Er wird es allen zeigen. Er hat ja schließlich Smilla, die ihn beschützt…
Rasch - bevor der Mut ihn wieder verlässt - zieht Nils Anorak und Schneestiefel über und leint Smilla an. Den Wohnungsschlüssel steckt er in die Hosentasche, bevor er durchs Treppenhaus drei Stockwerke nach unten steigt und dann zur Hintertür hinaus in den Hof geht.
Vorsichtig schleicht er auf das Hexenhäuschen zu. Smilla ist dicht bei ihm. Nils zittert - nicht nur wegen der Kälte. Er ist eben doch kein Held.
"Wenn Maja das wüsste, würde sie mich wieder auslachen", denkt Nils. Und da kann er es sogar hören. Majas Lachen. Aber nein - das ist doch gar nicht Majas Stimme …
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Josefine
Nie zuvor hat Nils sich seine Familie so sehr herbeigesehnt wie in diesem Moment. Aber Mama, Papa und Maja sind noch immer in der Stadt. Wahrscheinlich stecken sie im Feierabendstau fest.
Und er steht ganz alleine zwischen der rettenden Haustür und dem unheimlichen Hexenhäuschen, starrt auf die riesengroßen Fußspuren im Schnee und wartet auf das, was passiert.
Da trifft ihn ein Schneeball am Ärmel und er hört wieder dieses Lachen, das eher ein Kichern ist. Und dann sieht er sie zum ersten Mal.
"Hey, wer bist du denn?", fragt ein Mädchen mit langen, schwarzen Zöpfen, einem bodenlangen, hellblauen Mantel und riesigen Herrenstiefeln an den Füßen. Woher kommt sie so plötzlich? Hat sie etwa hinter dem Apfelbaum gestanden?
"Ich bin Nils, und das ist Smilla", antwortet Nils, ganz erleichtert, dass sich der Einbrecher als harmlos entpuppt.
"Und ich bin Josefine Käfer. Mein Paps und ich wohnen erst seit gestern hier", erklärt das Mädchen und betrachtet dann ausgiebig das Fenster des Hinterhauses: "Schau, ich hab Fensterbilder gemalt. Die wollte ich mir mal von außen anschauen, deshalb bin ich raus gegangen. Und was machst du hier in der Kälte?"
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Kakao ist nicht gefährlich
Josefine weiß, wie man heiße Schokolade mit Sahne macht. Sie kann das schon ganz alleine. Dabei ist sie jünger als Nils' Schwester Maja, und selbst die darf nicht alleine am Herd arbeiten. Mutti sagt, das ist zu gefährlich.
Josefine lacht nur, als Nils das sagt. Aber es klingt vergnügt, sie lacht ihn nicht aus: "Die Milch ist ungefährlich, die Sahne auch und das Kakaopulver erst recht. Gefährlich ist nur, wenn man friert und keine heiße Schokolade bekommt, um sich wieder aufzuwärmen", behauptet sie. Und das klingt überzeugend.
Nils mag Josefine. Er freut sich, dass sie jetzt hier wohnt. Er findet nicht so leicht neue Freunde, und mit den anderen Kindern im Haus ist es irgendwie schwieriger als mit Josefine.
Als er seine Tasse leer getrunken hat, sagt Nils bedauernd: "Ich muss nach Hause. Wenn meine Eltern gleich kommen, werden sie sich Sorgen machen um Smilla und mich." Es hat ihm gefallen bei Josefine. Und das Hexenhäuschen ist urgemütlich, überhaupt nicht gruselig.
Dann erst fällt ihm auf, dass Josefine ebenfalls ganz alleine zu Hause ist - offensichtlich aber ohne sich zu fürchten. Macht ihr Vater auch gerade Weihnachtseinkäufe? "Oh nein", sagt Josefine und schaut auf die Uhr: "Genau in diesem Moment raubt er eine Bank aus, und gleich knallt er einen Polizisten ab!"
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Verabredung im Geheimversteck
Nils ist erschrocken: Was hat Josefine da gesagt? Ist ihr Vater ein Verbrecher und sie seine Komplizin? Oder ist sie einfach nur verrückt geworden?
Doch bevor er fragen kann, kichert Josefine schon wieder. Es klingt wie eine Melodie, wenn sie lacht. Und dann erklärt sie Nils, dass ihr Vater Schauspieler ist. Am Stadttheater.
"Wir haben schon überall gewohnt: in London, in München, in Hamburg und jetzt hier. Heute Abend hat Paps Vorstellung. Mams übrigens auch - aber die lebt schon seit ein paar Monaten in New York."
Josefine ist stolz auf ihre Mutter, eine weltberühmte Opernsängerin, und zeigt ihm einige Zeitschriftenartikel über sie. Trotzdem spürt Nils, dass sie traurig ist. Josefine muss sie sehr vermissen. Aber er sagt nichts, um sie nicht noch trauriger zu machen.
Stattdessen schlägt er vor, sich am nächsten Nachmittag zu treffen.
"Au ja, gerne! Aber nicht hier- Paps muss nachmittags seine Ruhe haben, wenn abends Vorstellung ist", meint Josefine. Und sie hat auch schon gleich einen Vorschlag: "Ich zeig dir mein Geheimversteck. Hab ich gleich am ersten Tag entdeckt. Kennst du den Dachboden im Vorderhaus?"
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Auf dem Dachboden
Am nächsten Tag ist Nils ungeduldig: Morgens beim Anziehen knöpft er in der Eile sein Hemd schief zu, im Kindergarten mag er sich nicht auf sein Puzzle konzentrieren und auf dem Nachhauseweg läuft er so schnell, dass Mama kaum mitkommt. Beim Mittagessen verkündet er, dass er sich mit Josefine treffen will, die neuerdings im Hinterhaus wohnt. Aber er verrät nicht, wann und wo er sie kennen gelernt hat. Er hat jetzt auch seine Geheimnisse.
Dann endlich darf er los. Er stürmt die Treppen zum Dachgeschoss hinauf. Vorbei am Eingang der Sommerfelds, die im vierten Stock wohnen. Die Tür zum Dachboden ist angelehnt. Sie quietscht, als er sie aufstößt.
Nils war noch nie hier. Mutti hat einen Trockner im Badezimmer, wie die meisten im Haus. Manche benutzen auch den großen Industrietrockner mit Münzeinwurf, der unten im Waschkeller steht. Die alten Wäscheseile, die hier oben gespannt sind, hat schon lange niemand mehr gebraucht…
Bis jetzt. Denn jetzt ist der Dachboden Josefines Reich. Ihr "Geheimversteck". Und nun auch seines. Josefine stößt einen wilden Freudenschrei aus, als sie Nils entdeckt. Er erschrickt fast gar nicht, denn bei Josefine muss man mit allem rechnen - so viel hat er schon mitbekommen.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Pirat für einen Tag
Heute ist Josefine Piratin. "Hilfst du mir?", fragt sie und zeigt Nils, wie Schatzkarten gemacht werden. Sie hat Papier zerknüllt und in Kaffee getaucht. Nun müssen die braunen, tropfenden Bögen noch zum Trocknen auf die Wäscheleine gehängt werden, dann sehen sie schön alt aus - "echt antik", wie Josefine es ausdrückt.
Währenddessen erkunden Piratin Josefine und "Nils, der junge Korsar" den Dachboden. Viel gibt es nicht zu entdecken. Einen vergessenen Wäschekorb (die "Schatztruhe"), einen alten Küchenschrank (das "Freibeuterschiff”) und einen halb blinden Spiegel (den "Zauberspiegel").
"Seit wann haben Piraten Zauberspiegel?", protestiert Nils. Da muss Josefine zugeben, dass es wahrscheinlich ein "normaler wertvoller" Spiegel ist. "Aber morgen, wenn ich Fee bin und du Magier, ist es ein Zauberspiegel." Damit ist Nils einverstanden. Viel zu schnell ist der Nachmittag vorüber. Zum Abschied schenkt Josefine Nils ihre Schatzkarten - "weil du doch jetzt mein Freund bist." Er staunt: "Wir sind die einzigen hier im Haus. Freunde, meine ich."
Das kann Josefine kaum glauben. "Hier wohnen doch so viele Familien! Und alle haben Zoff miteinander?" "Na ja, Zoff nicht gerade, aber sie mögen sich nicht besonders. Ich weiß auch nicht warum."
Da beschließt Josefine eine Planänderung: "Wir müssen rauskriegen, was dahintersteckt. Ab morgen sind wir Detektive!"
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Nils sperrt die Ohren auf
Es ist gar nicht so schwierig, "die Lage auszukundschaften", stellt Nils fest. Als Detektiv muss man eben nur die Ohren aufsperren und gut aufpassen, was die Erwachsenen sagen: Beim Frühstück schimpft Papi darüber, dass Herr Sommerfeld ihm in letzter Zeit immer den guten Parkplatz direkt am Hauseingang vor der Nase wegschnappt. Dabei hat Herr Sommerfeld doch einen Stellplatz gemietet, gleich um die Ecke in der Sonnenstraße. Echt ärgerlich.
Am Nachmittag beobachtet Nils, wie die Sommerfelds vom Einkaufen nach Hause kommen. Alle sind schwer beladen, sogar Fredrik und Emilia - die Zwillinge tragen ihre Ranzen und außerdem große Tannenzweige. Hanna und Adrian Sommerfeld schleppen Einkaufstüten und rümpfen die Nase, als sie die Schneematschspuren am Treppenaufgang sehen. "Di Palmas haben Putzdienst diese Woche. Sieht mal wieder schlimm aus." Da schaut Agathe Reinecke aus ihrer Wohnungstür. Niemand mag die Frau des Hausmeisters, weil sie so neugierig ist. Sie kann Hunde nicht leiden und Kinder schon gar nicht und wahrscheinlich nicht einmal sich selbst.
Was Herr Reinecke über die anderen Hausbewohner denkt, bleibt Nils ein Rätsel. Der Hausmeister spricht fast nie. Er brummt immer nur.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Lauter Kinkerlitzchen
Sie halten Lagebesprechung. Nils berichtet, was er heute herausgefunden hat. Josefine nickt anerkennend.
Dann erzählt sie von ihren eigenen Beobachtungen. Dazu zückt sie ein kleines Notizbuch. Josefine ist schon in der zweiten Klasse und kann ziemlich gut schreiben. Das mit dem Notizbuch kennt sie aus dem Theater - ihr Vater hat mal einen Detektiv gespielt, da war das Notizbuch seine wichtigste Requisite. Josefine liest aus ihrem vor: Allegra Di Palmas größtes Problem ist der Kinderwagen, den Selma Frühauf immer im Hausflur parkt. Wenn Frau Di Palma die großen Körbe mit Schmutzwäsche aus dem Restaurant durchs Treppenhaus schleppt, kommt sie daran kaum vorbei. Und natürlich passiert das täglich, denn in einer Pizzeria werden ständig Tischdecken, Servietten und Handtücher schmutzig. Dumm nur, dass die Wäscherei gerade jetzt renoviert wird. Und Nils' Mutter hat sich über den Zimtgeruch aus der Hausmeisterwohnung beklagt, weil ihr davon übel wird.
"Das riecht doch lecker", wundert sich Nils, der sehr gerne einmal von Frau Reineckes Weihnachtsgebäck probieren würde. "Alles ist unlogisch", stimmt Josefine zu. "Und vor allem sind es keine Gründe, sich nicht zu vertragen. Weggeschnappte Parkplätze, sperrige Kinderwagen, schmutzige Treppenstufen - lauter Kinkerlitzchen!" Nils seufzt. Es wäre wirklich wunderbar, wenn alle Hausbewohner Freunde sein könnten. Aber wer hört schon auf Kinde
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Für alles gibt es eine Erklärung …..
Die Detektivarbeit muss heute warten, denn Nils und Josefine bauen lieber Schneemänner und Iglus und Rutschpisten. Es hat kräftig geschneit, zum ersten Mal in diesem Winter reicht der Schnee Nils bis zum Knie. Alle Kinder verbringen den Nachmittag im Hof und spielen zusammen. Ebenfalls zum ersten Mal.
Vorm Dunkelwerden geht Nils mit Smilla Gassi und Josefine begleitet ihn. Sogar Maja kommt diesmal mit. "Hast du gewusst, dass Adrian Sommerfeld einen Bänderriss hatte am Fuß? Das Laufen fällt ihm immer noch schwer. Deshalb parkt er so oft vor dem Haus", erzählt Josefine. Das hat sie von den Zwillingen erfahren.
"Und Di Palmas haben im Moment furchtbar viel zu tun im Restaurant, wegen all der Weihnachtsfeiern. Deshalb bleibt keine Zeit zum Treppenputzen", weiß Nils von Lorenzo Di Palma.
Und noch etwas hat Josefine herausgefunden: "Die kleine Nellie wird bald ein Jahr alt. Dann braucht Frau Frühauf keinen sperrigen Kinderwagen mehr." "Wenn ich nur wüsste, was Mama am Plätzchengeruch im Treppenhaus stört", runzelt Nils die Stirn. Da mischt sich Maja ein: "Ich glaub, sie wollen es uns noch nicht verraten, aber ich weiß längst Bescheid: Mami kriegt ein Baby. Deshalb wird ihr von allen möglichen Gerüchen übel. Aber das hört bald auf, und dann wird ihr Bauch kugelrund." "Oh", sagt Nils. Ein Geschwisterchen - was für eine schöne Überraschung!
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Der Versöhnungsplan
Alles ist grünbraun und matschig. Der schöne Schnee ist weggeschmolzen. Es regnet. Und das am Samstag! Nils ist enttäuscht. Maja auch. Nils fragt, ob sie mitkommen will in Josefines Geheimversteck. Fast schon rechnet er damit, dass sie ihn wieder auslacht, aber - nein, sie freut sich.
Josefine ist heute eine Ritterin. Sie hat ein Holzschwert dabei und trägt Reitstiefel. Nils soll ihr Knappe sein. Aber dann fragt Maja, was es mit dieser ganzen Detektiv-Sache auf sich hat, und Josefine erzählt.
Maja meint: "Gestern hat unsere Lehrerin gesagt, Weihnachten ist das Fest der Versöhnung. Da sollen sich alle vertragen. Vielleicht können wir sie dazu bringen?" Aber Nils kann sich kaum vorstellen, dass sich Erwachsene von drei Kindern überzeugen lassen. Josefine geht langsam hin und her, während sie spricht: "Mooooment. Wir wissen, wer sich worüber ärgert und warum. Wir müssen den Erwachsenen also nur… etwas nachhelfen." Maja ist Feuer und Flamme. "Ja, wir besorgen Geschenke und legen sie vor die Türen. Mit kleinen Entschuldigungsbriefen. Das funktioniert bestimmt!"
"Aber von welchem Geld sollen wir Geschenke besorgen? Wir können ja wohl schlecht eine Bank überfallen …", zögert Nils. Doch Josefine ist schon überzeugt: "Das kriegen wir hin!"
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Aktion Weihnachtsengel
Am nächsten Tag bringt Josefine einen großen Stapel Tonkarton mit - in allen Farben. Dazu Geschenkband, Bastelstroh, Kleber, Scheren, Lineale, Glitzerfolie und Goldstifte. Alle drei Kinder arbeiten fieberhaft. Zum Glück ist Sonntag. Der dritte Advent. Sie haben jede Menge Zeit. Am Abend sind sie stolz auf ihr Werk: Nils, Maja und Josefine haben zusammen fast fünfzig Weihnachtskarten gebastelt!
Josefine will ihren Vater um Erlaubnis bitten, dass sie die Karten in der Stadt verkaufen darf. Auf dem Markt - oder in der Fußgängerzone. Aber er hat eine bessere Idee: "Ich muss selbst noch viele Weihnachtsgrüße verschicken. Und so schöne Karten wie eure gibt es in keinem Laden." Er kauft ihnen alles ab - für fünfzig Euro!
In der letzten Woche vor Weihachten erledigen sie die Einkäufe. Für Maren und Rufus Fröhlich, Nils' und Majas Eltern, kaufen sie einen Schal und einen Taschenwärmer. Für Hanna und Adrian Sommerfeld besorgen sie Mandelplätzchen und Weihnachtstee. Für Paolo und Allegra Di Palma suchen sie ein Entspannungsbad aus und eine hübsche Blumenvase. Für Selma Frühauf kaufen sie einen Bilderrahmen. Und für Oscar und Agathe Reinecke besorgen sie ein Päckchen Kaffee und ein paar warme Wollsocken. Alles klappt wie am Schnürchen …
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
… und wünschen frohes Fest!
Josefine schleppt eine Reiseschreibmaschine auf den Dachboden. "Uralt und ganz schön schwer- aber funktioniert noch", ächzt sie. Papier und Umschläge hat Nils mitgebracht. Und Maja ein Wörterbuch: "Wenn wir zu viele Fehler schreiben, durchschauen die Erwachsenen uns ganz schnell."
Für den ersten Brief brauchen sie am längsten: "Liebe Familie Sommerfeld. Leider haben wir furchtbar viel Arbeit in der Pizzeria und wenig Zeit zum Putzen. Aber nach Weihnachten schrubben wir umso gründlicher, versprochen. Frohes Fest wünscht Ihre Familie Di Palma." Der nächste lautet: "Liebe Familie Fröhlich, wenn mein Fuß endlich heile ist, parke ich wieder in der Sonnenstraße, aber bis dahin muss ich leider Ihren Lieblingsparkplatz klauen. Tut mir leid, trotzdem frohe Feiertage von uns allen, Ihr Adrian Sommerfeld." Es klappt immer besser: "Liebe Familie Frühauf, es stimmt gar nicht, dass wir keine kleinen Kinder mögen, ehrlich nicht. Alles Gute von den Reineckes."
Im vorletzten steht: "Liebe Familie Di Palma, bald kriegt Nellie einen Buggy, dann steht der Kinderwagen nicht mehr im Weg rum. Danke für Ihr Verständnis und schöne Weihnachten von Selma Frühauf."
Schließlich tippt Maja: "Liebe Familie Reinecke, bitte nicht böse sein, dass mir vom Zimtwaffelgeruch aus Ihrer Wohnung übel geworden ist, aber das ist so, wenn Frauen Babys kriegen. Fröhliche Weihnachten von den Fröhlichs." Das haben sie gut hinbekommen! Nun ist fast alles vorbereitet…
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
In letzter Sekunde
Endlich ist Heiligabend. Vormittags dürfen Nils und Maja zusammen mit Papi den Christbaum schmücken. "Oh je, wir haben was vergessen", murmelt Nils auf einmal und hat es plötzlich sehr eilig. "Wir haben kein Geschenkpapier", flüstert er Maja zu. Die Geschwister ziehen rasch ihre Jacken über und laufen zu Josefine. "Die Geschäfte schließen in einer Stunde, wir müssen uns beeilen!"
Josefine nimmt den Rucksack mit den Geschenken, den sie unter ihrem Bett versteckt hat, und schiebt die Umschläge mit den getippten Briefen in ihre Manteltasche. "Wir verstecken die Sachen auf dem Dachboden, bevor wir einkaufen gehen. Danach können wir dort alles verpacken und gegen Abend heimlich vor die Wohnungstüren stellen." Im Supermarkt ist die Hölle los. "Warum kriegen die Leute vor Weihnachten so schrecklich großen Hunger?", wundert sich Nils. Endlich sind sie an der Reihe und bezahlen das Geschenkpapier mit den kleinen Engeln drauf, die auf watteartigen Wolken sitzen und Flöte spielen. Die einzige Sorte, die noch nicht ausverkauft ist.
Im Eilschritt stürmen sie zurück und dann das Treppenhaus nach oben. Als sie sehen, dass die Dachbodentür halb offen steht, schlägt ihnen das Herz bis zum Hals. Sie schleichen näher- und sehen dann sofort, dass ihr Geheimversteck so geheim nicht gewesen sein kann: Alle Geschenke sind spurlos verschwunden …
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Die Überraschung fällt aus
"Wer ist hier eingebrochen?", ruft Josefine empört. Nils steigen die Tränen in die Augen. Maja sieht es, aber sie lacht ihn nicht aus. Stattdessen legt sie ihre Hand auf seine Schulter. Auch sie ist enttäuscht.
Schließlich muss selbst Josefine einsehen, dass der Plan geplatzt ist. Und neue Geschenke können die Kinder nun nicht mehr besorgen - der Supermarkt ist inzwischen geschlossen und ihr letztes Geld ausgegeben.
Eine Weile stehen sie stumm da und starren aus dem kleinen Dachfenster hinaus in den Sternenhimmel. Dann sagt Josefine: "Verflixt, wir dürfen uns den Heiligabend nicht von einem Dieb vermiesen lassen." Nils und Maja stimmen zu. Es wird Zeit, nach Hause zu gehen. Zur richtigen Bescherung.
Auch für Josefine. Draußen ist es eiskalt. Sie steckt die Hände in ihre Manteltaschen, um sie aufzuwärmen. Was ist das? Ach ja, die getippten Briefe, die sie vorhin eingesteckt hat. "Die brauchen wir wohl nicht mehr", murmelt sie und wirft die Umschläge kurzentschlossen in die Papiermülltonne, die neben dem Treppengeländer steht.
Dann schaut sie zum Hinterhaus, das hell erleuchtet ist. Durchs Fenster sieht sie, wie ihr Vater Kerzen anzündet. "Frohe Weihnachten, Paps", ruft sie laut und stürmt hinein ins Warme …
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Die Beute taucht wieder auf
Sie bekommen wundervolle Geschenke: Josefine freut sich riesig über ein dickes Rätselbuch und einen fast echten Astronautenanzug. Sie wollte schon immer "Die Reise zum Mond" spielen. Ihr Vater hat wirklich die allerbesten Ideen! Für einen Moment ist die Enttäuschung von vorhin vergessen.
Nils ist begeistert von seiner neuen Eisenbahn. Er baut sie gemeinsam mit Papi auf. Für eine Weile denkt auch er nicht mehr an die Sache mit den gestohlenen Überraschungsgeschenken. Erst als er im Bett liegt, fällt ihm alles wieder ein.
Maja bekommt eine eigene Gitarre und ein neues Eislaufkostüm. Beides hat sie sich sehr gewünscht. Aber jetzt klimpert sie lustlos auf den Saiten herum und geht ziemlich früh ins Bett. Maren und Rufus Fröhlich schauen sich erstaunt an. Was ist nur mit den Kindern los? Am nächsten Morgen sitzen alle Fröhlichs am Frühstückstisch. Mami hat einen Hefezopf gebacken, Papi legt eine Schallplatte mit altmodischen Weihnachtsliedern auf. Nils und Maja lassen sich von der guten Laune ihrer Eltern anstecken. Es ist Weihnachten! Dann verrät Mami, dass nächstes Jahr um diese Zeit ein Geschwisterchen in der Wiege liegen wird! Nils und Maja tun erstaunt, aber ihre Freude ist echt, überhaupt nicht gespielt. Da klingelt es an der Wohnungstür. Papi öffnet. Sie erkennen die Stimme: Es ist Herr Reinecke. Der brummige Hausmeister. Was will er nur?
Nachdenklich kehrt Papi zurück in die Küche: "Es gibt einen Dieb im Haus", sagt er, "der Hausmeister hat sein Beuteversteck gefunden. Oben auf dem Dachboden." Nils und Maja schauen sich an: Was bedeutet denn das nun schon wieder?
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Josefine verschüttet ihren Kakao
Mami und Papi machen einen Spaziergang mit Smilla. Nils und Maja bleiben lieber zu Hause. Besser gesagt: Maja bleibt in ihrem Zimmer und hört Musik. Nils dagegen läuft zum Hinterhaus.
Mats Käfer öffnet die Tür. Er trägt einen Jogginganzug und hat verwuschelte Haare. "Sie sehen ja gar nicht aus wie ein Schauspieler", platzt Nils heraus. Herr Käfer grinst. "Wie sieht denn ein echter Schauspieler aus?", fragt er neugierig. Aber das weiß Nils auch nicht. Fast hätte er Josefine nicht erkannt. Sie trägt ihr Astronautenkostüm und versucht, schwerelos zu wirken. Das sieht so lustig aus, dass alle lachen müssen, auch Josefine. "Wie schön, dass du meine trübsinnige Tochter aufgeheitert hast", sagt Mats Käfer, "wenn ich nur wüsste, was mit ihr los ist." Und dann macht er heiße Schokolade für alle. Zum Trinken nimmt Josefine ihren Helm ab.
Da klopft es an der Tür. Hausmeister Reinecke. Nils schafft es nicht, Josefine zu warnen. Deshalb verschüttet sie vor Schreck ihren Kakao, als sie hört, was er zu sagen hat… Dann setzt Mats Käfer seine Brille auf die Nase und sieht plötzlich sehr ernst aus. "Ich glaube, ihr habt mir einiges zu erzählen", sagt er.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Blöder Schnee
Eine Viertelstunde später kennt Josefines Vater die ganze Geschichte. Endlich versteht er, was die Kinder bedrückt. "Ihr habt das wirklich gut gemeint", sagt er mit düsterer Miene, "aber ich fürchte, dass nun das Gegenteil von dem geschieht, was ihr beabsichtigt habt." "Was meinst du damit? Was für ein Gegenteil?", fragt Josefine trotzig, denn sie ist überzeugt davon, dass eine gute Tat immer eine gute Tat bleibt. Mats Käfer seufzt: "Nun, eure Absicht war wunderbar. Ihr wolltet die Menschen im Haus untereinander versöhnen. Aber jetzt wird bestimmt alles nur noch schlimmer. Hausmeister Reinecke hält eure Geschenke für Diebesgut, und nun werden sich die Hausbewohner gegenseitig verdächtigen." Am Mittag beginnt es erneut zu schneien. Ganz stark sogar. Die Kinder strömen wieder in den Hof. Aber sie spielen nicht so fröhlich zusammen wie neulich. "Bist du vielleicht ein Räuber?", fragt der kleine Linus Frühauf und schaut schüchtern Lorenzo Di Palma an. Der antwortet gedehnt: "Wenn ich Polizist wäre, dann würde ich zuerst das Hinterhaus überprüfen. Bestimmt waren's die Neuen."
Nils erschrickt. Und Josefine tut so, als hätte sie nichts gehört. Verbissen baut sie ihren Schneemann weiter. Aber es macht keinen Spaß. Blöder Schnee. Dann beugt sich Josefine zu Nils hinunter, der lustlos einen Schneewall baut, und flüstert ihm ins Ohr: "Es wird Zeit, wieder Detektiv zu spielen. Oder noch besser: Geheimagent!"
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Noch mehr Streithähne
Seit Stunden liegen Agentin Josefine und Spion Nils auf der Lauer. Herr Reinecke hat nicht die geringste Ahnung davon, dass er ein "Zielobjekt" ist. Und noch viel weniger davon, dass es gar keinen Dieb gibt. Beziehungsweise dass, wenn überhaupt, er selbst dieser Dieb ist. Herr Reinecke verbringt den ganzen Nachmittag im Keller in seiner Hausmeisterwerkstatt. Als er sie verlässt, verriegelt er sie und schließt zusätzlich mit einem großen Schlüssel ab. Da ist wohl nichts zu machen. "Wenn er die Sachen hier versteckt, haben wir keine Chance ", seufzt Josefine.
"Wir müssen wieder Karten basteln und verkaufen und dann neue Geschenke besorgen", schlägt Nils vor, aber Josefine sagt, dass das die blödeste Idee ist, die sie je gehört hat. Wer braucht Weihnachtskarten, wenn das Fest vorbei ist? Trotzig fragt Nils, ob Josefine eine bessere Idee hat, aber die ist einfach nur schlecht gelaunt.
"Lass mich doch in Ruhe", fährt sie ihn an. "War sowieso eine alberne Idee, dass alle sich vertragen sollen."
Sofort bedauert sie, was sie gesagt hat, aber sie kann es nicht zugeben. An diesem Abend ist Josefine noch trauriger als am Tag zuvor, und Nils geht es ebenso. "Jetzt habe ich mich auch noch mit Josefine zerstritten", erzählt er Maja. Aber die antwortet nicht einmal.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Wer sucht, der findet
Hausmeister Reinecke ist verwirrt. Er hat sich doch so genau überlegt, wie er den "Fall" der Polizei schildern soll. Und nun hat ihn der Beamte am Telefon überhaupt nicht ernst genommen. "Sie haben keine Beute gefunden, sondern - Sachen", hat er gelacht. Was soll denn das bedeuten? Klar sind das Sachen: ein Schal und ein Taschenwärmer, Mandelplätzchen und Weihnachtstee, ein Entspannungsbad und eine Vase, ein Bilderrahmen, Kaffee und Wollsocken.
Zerknirscht muss er eingestehen, dass niemand diese Sachen vermisst gemeldet hat. Und dass es im Haus keinen Hinweis auf einen Einbruch gibt. Nicht zu vergessen, dass der Dachboden für alle Mieter frei zugänglich ist.
Aber liegt es nicht auf der Hand, dass da etwas oberfaul ist? Wenn die Polizei ihm nicht hilft, wird er eben selbst die Augen offen halten, beschließt Hausmeister Reinecke. Und er beginnt, wo man - wie er aus Erfahrung weiß - die interessantesten Dinge findet: im Abfall. Der Papiermülleimer im Hof ist fast voll. Morgen wird er geleert. Oscar Reinecke öffnet den Deckel und sieht einen Stapel dunkelblauer, mit Goldstift beschrifteter Umschläge. Auf dem obersten steht sein eigener Name …
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Nils' Gutenachtgeschichte
Nils mag keinen Streit. Am liebsten würde er sich gleich am nächsten Morgen wieder mit Josefine vertragen. Aber zuerst traut er sich nicht, und danach kommt er nicht mehr dazu: "Kinder, packt eure Spielsachen ein, wir fahren gleich los", ruft Mami. "Omi erwartet uns zum Mittagessen." Papi packt schon das Auto. Sie bleiben bis übermorgen. "Na los, was zieht ihr für lange Gesichter", lacht er und versucht die Kinder mit einer Grimasse aufzumuntern. Aber das funktioniert nicht.
Unterwegs singen Mami und Papi Weihnachtslieder, zweistimmig. "Das Fest ist doch vorbei", sagt Maja. Aber nur Nils versteht, was sie damit wirklich meint. Die Sache mit den Versöhnungsgeschenken war immerhin ihre Idee.
Die Großeltern haben fabelhafte Geschenke für Nils und Maja! Trotzdem sieht Omi, dass etwas nicht stimmt. Nils mag nicht mit seiner Ritterburg spielen. Maja hat keine Lust, mit Smilla zu kuscheln. Und alle beide haben keinen Appetit - nicht einmal auf Omis weltberühmten Apfelkuchen.
Am Abend bringt Omi Nils ins Bett. "Erzählst du mir eine Geschichte?", bettelt er. Omi schüttelt den Kopf: "Nein - diesmal bist du dran. Was bedrückt dich, Nils?" Da erzählt er ihr alles.
Als er fertig ist, lächelt Omi. "Das war ein ganz wundervoller Plan", sagt sie. Und dann erklärt sie ihm, dass noch längst nicht alles verloren ist.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Die traurige Josefine
Betrübt beobachtet Josefine, wie das Auto der Familie Fröhlich davonfährt. Zu gerne hätte sie Nils noch gesagt, dass sie es nicht so gemeint hat. Sie war nicht auf ihn sauer, sondern auf sich selbst und auf - alles.
Lustlos schaut sie aus dem Fenster. Fredrik und Emilia - die Sommerfeld-Zwillinge - machen eine Schneeballschlacht mit Linus Frühauf. "Magst du nicht rausgehen und mitspielen?", fragt Paps. Aber nein - Josefine langweilt sich lieber. Sie will heute auch keine Piratin sein und keine Astronautin, noch nicht einmal Detektivin oder Agentin. Sie ist einfach eine traurige Josefine.
Mats Käfer macht seiner Tochter einen Kakao mit Schlagsahne und Zimt. Er duftet köstlich! Aber sie nippt nur daran. "Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen? Hast du dich etwa mit Nils gestritten?", fragt ihr Vater geduldig. Und Josefine staunt, dass er nicht nur ein Schauspieler, sondern auch ein Hellseher ist. Und ein Zauberer - denn Paps schafft es, dass die traurige, lustlose Josefine sich in die entschlossene, fröhliche Josefine zurückverwandelt:
"Willst du wirklich, dass das alte Jahr so endet? Im Streit?", fragt er. Da beschließt Josefine: "Ich brauche einen Plan!"
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Weihnachten ist jeden Tag
Am vorletzten Tag des Jahres erwacht Josefine voller Tatendurst. Sie weiß jetzt, was zu tun ist. Gleich nach dem Frühstück legt sie los: Josefine trommelt sämtliche Kinder, die im Haus wohnen, zusammen: "Geheimtreffen um elf auf dem Dachboden!", lautet die Botschaft. Alle sind pünktlich - nur Nils und Maja fehlen. Sie sind noch nicht zurück von ihrem Besuch bei Omi und Opi. Und natürlich Nellie Frühauf, aber die ist ja noch ein Baby. Zuerst plappern alle aufgeregt durcheinander, doch dann klatscht Josefine in die Hände und legt los. Fredrik, Emilia, Lorenzo und Linus staunen nicht schlecht, als sie von der Detektivaktion, dem Weihnachtsplan, den Versöhnungsgeschenken und den Entschuldigungsbriefen hören!
Linus versteht als Erster, was das bedeutet: "Es gibt also gar keinen Räuber?" Lorenzo, den Linus neulich verdächtigt hat, ist nicht nachtragend. Er fragt vielmehr: "Was können wir jetzt tun, um eueren Plan noch zu retten?"
In diesem Moment fliegt die Tür auf und Nils stürmt herein, gefolgt von Maja: "Josefine, ich hab die Lösung! Wir brauchen gar keine Geschenke - die Briefe genügen", jubelt er: "Omi sagt, Weihnachten ist jeden Tag, an dem Menschen einander eine Freude machen. Auch ohne Bescherung. Was meinst du?"
Erst dann sieht er die anderen Kinder. Alle starren Josefine an. "Oh nein!", seufzt sie bedrückt.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Eine unerwartete Wendung
Zuerst hat er gedacht: "Diese verflixten Kinder, ich wusste doch, dass sie dahinter stecken." Dann hat er staunend zugehört, was Josefine erzählt. Und schließlich - die Erkenntnis trifft ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel - fällt ihm ein, was noch immer in der rechten Tasche seinen grauen Kittels steckt…
Die Kinder merken nicht, dass sie belauscht werden. Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt. "Ich konnte doch nicht ahnen, dass wir die Briefe noch gebrauchen können", klagt Josefine. Nun hat sie es endgültig vermasselt! "Ich dachte doch, unser Plan funktioniert nicht ohne die Geschenke."
Nils weiß einen Ausweg: "Neue Geschenke kaufen wäre zu teuer. Aber neue Briefe schreiben, das kostet nur ein bisschen Zeit. Wenn wir alle zusammenarbeiten, geht es fix." Ein tiefes Räuspern lässt sie alle herumfahren. Hausmeister Reinecke kommt aus seinem Versteck hinter dem alten Küchenschrank hervor. Er schaut sehr verlegen. Dann überreicht er Josefine die dunkelblauen Briefumschläge mit Goldschrift, die sie am Heiligabend weggeworfen hat.
"Mir scheint, ich sollte mich bei euch Kindern entschuldigen", sagt er zu ihrem allergrößten Erstaunen.
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Hausmeister Reinecke druckst herum
Josefine erholt sich als Erste von dem Schrecken. "Sie machen sich jetzt bestimmt nicht über uns lustig?", fragt sie ungläubig. Hausmeister Reinecke schüttelt den Kopf. "Und das ist kein Trick?", hakt sie nach. "Bestimmt nicht", verspricht er.
Aber Nils ist noch nicht überzeugt: "Woher haben Sie die Briefe? Und was machen Sie hinter dem Schrank?" Hausmeister Reinecke druckst herum: "Nun ja, die Briefe waren im Abfall. Ich las meinen Namen, und da dachte ich … Aber dann hab ich sie wieder völlig vergessen, und erst jetzt…"
"Schon gut", unterbricht Maja, "wir sind ja froh, dass die Briefe wieder da sind. Aber warum haben Sie uns die schöne Überraschung verdorben?" Oscar Reinecke antwortet geduldig. Erklärt, dass er die Geschenke für Diebesbeute gehalten hat. Ganz ehrlich. Und dass er geglaubt hat, die Kinder steckten da irgendwie mit drin. "Immerhin habt ihr euch mehr als merkwürdig verhalten", sagt er zu Nils und Josefine. Die beiden "Geheimagenten" sind also doch nicht unentdeckt geblieben.
"Aber ich muss sagen, ihr habt mich heute ganz schön überrascht. Was ihr euch da ausgedacht habt, ist wirklich - beeindruckend", lächelt er dann und wirkt auf einmal ganz nett. Gar nicht mehr so brummig.
Auf Josefines Gesicht breitet sich ein Strahlen aus: "Wisst ihr, was das Allerbeste ist?", jubelt sie: "Die Geschenke sind wieder da - wir können die Bescherung nachholen!"
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Oscar gehört jetzt auch dazu
"Klar", bestätigt Hausmeister Reinecke. "Ich hab alles, was ich für Diebesgut gehalten habe, in eine große Kiste getan. Sie steht in meinem Werkraum."
Nils und Josefine werfen sich einen wissenden Blick zu. In diesem Punkt haben sie recht behalten …
Alle sitzen jetzt im Schneidersitz auf dem Boden, im Kreis. Hausmeister Reinecke will nun auch einiges wissen. Zum Beispiel, wie die Kinder überhaupt auf die Idee gekommen sind, die Streithähne im Haus zu versöhnen. Und woher sie das viele Geld hatten, mit dem sie die Geschenke gekauft haben.
All diese Einzelheiten kennen Fredrik, Emilia, Linus und Lorenzo auch noch nicht. Deshalb hören sie gespannt zu, wie Nils, Maja und Josefine abwechselnd berichten. Am Ende gibt es sogar Applaus für die drei.
Dann steht Herr Reinecke auf und streckt sich: "Ganz schön kalt hier auf dem Boden. Was haltet ihr von einem schönen, heißen Kinderglühwein?"
Alle schreien laut "Jaaaa!" und springen auf. "Sie sind viel netter, als ich dachte, Hausmeister Reinecke", sagt Nils. Und der antwortet: "Ihr solltet mich Oscar nennen. Schließlich gehöre ich doch jetzt dazu, oder etwa nicht?"
 

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Plätzchen und Pläne
Nils hat noch nie ein erstaunteres Gesicht gesehen als eben das von Agathe Reinecke, als ihr Mann mit einer Schar Kinder die Küche stürmte. Jetzt steht er höchstpersönlich am Herd und erhitzt den Kinderglühwein. Nils, Maja, Josefine, Lorenzo, Linus, Fredrik und Emilia sitzen um den runden Küchentisch herum.
"Hast du noch welche von deinen leckeren Zimtwaffeln?", fragt er seine Frau, als sei es die selbstverständlichste Sache der Welt. Agathe Reinecke starrt ihn an, als hätte er gewiehert wie ein Pferd oder chinesisch gesprochen oder von ihr verlangt, sie sollte einen dreifachen Salto schlagen.
"Oh ja, bitte, Frau Reinecke", sagt Nils und schaut sie mit großen Augen an, "Ihre Plätzchen riechen so lecker, die wollte ich schon immer mal probieren!" Darüber freut sich Agathe Reinecke so sehr, dass sie die große Gebäckschüssel auf den Tisch stellt und alle einlädt, tüchtig zuzugreifen.
Endlich haben alle ihre Tassen mit dampfendem Kinderglühwein vor sich. Er schmeckt wundervoll. Oscar Reinecke trinkt auch davon. Dann sagt er zu Nils: "Du hast gesagt, Weihnachten kann jeden Tag sein. Immer, wenn Menschen einander eine Freude machen."
Nils nickt.
"Dann habe ich einen Plan", sagt der Hausmeister, "hört gut zu …"
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Jemand schleicht durchs Treppenhaus
Der Rest des Nachmittags vergeht wie im Flug. Es ist so viel zu tun: Oscar Reinecke holt die Kiste aus dem Keller. Dann werden alle Geschenke sorgfältig verpackt und zu den dazugehörigen Briefen sortiert. Das ist wichtig, damit auch alle das bekommen, was die Kinder für sie ausgesucht haben.
Oscar Reinecke darf dabei nicht zuschauen. Sonst ist es für ihn und seine Frau ja nicht mehr spannend. "Ist sowieso nur eine halbe Überraschung", meint Josefine, aber der Hausmeister versichert ihr, dass er so gespannt ist wie noch nie in seinem Leben. Und tatsächlich glühen seine Wangen vor Aufregung. Die Kinder glauben ihm. Dann wird es Zeit, nach Hause zu gehen, bevor die Eltern Verdacht schöpfen. Noch nie ist es Nils so schwer gefallen, ganz "normal" zu sein. Er ist ganz zappelig und würde am liebsten die ganze Nacht wach bleiben. Aber dann stellt er sich vor, dass er- wie Josefines Vater - ein Schauspieler ist. Das hilft.
Es ist schon weit nach Mitternacht, als sich die Tür der Hausmeisterwohnung leise öffnet. Oscar Reinecke schleicht durchs Treppenhaus und legt vor jede Wohnungstür einen Brief und dazu die Päckchen. Am Schluss vor seine eigene. Zu gerne hätte er gleich hineingeschaut. Aber er will den Kindern die Freude nicht verderben. Nicht schon wieder!
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
Versöhnung im Treppenhaus
Das alte Jahr hört ganz anders auf, als die meisten Hausbewohner es vermutet hätten. Jedenfalls die meisten Erwachsenen. Familie Di Palma zum Beispiel hat geplant, mindestens bis 10 Uhr morgens zu schlafen. Heute Abend wird es sicher spät, ein anstrengender Arbeitstag liegt vor ihnen.
Aber aus dem Ausschlafen wird nichts. Um halb neun klingelt es an der Tür. Paolo Di Palma steht mürrisch auf, und er ist nicht sehr erfreut, ausgerechnet Hanna Sommerfeld vor der Tür zu sehen. Aber er vergisst seine Wut rasch, so herzlich bedankt sich Hanna bei ihm. Er weiß gar nicht, wofür.
Dann sieht er die Geschenkpäckchen auf der Fußmatte liegen. Er öffnet den Brief, der dabei liegt - er ist von Selma Frühauf. "Allegra, schau, das musst du dir ansehen", ruft er. Selma Frühauf macht ihrem Namen alle Ehre. Sie ist schon wach, als die Di Palmas bei ihr klingeln. Um ihr wegen des Kinderwagens Vorwürfe zu machen? Im Gegenteil, im Gegenteil…
Wenig später steht wiederum Selma Frühauf vor der Tür der Hausmeisterwohnung. Sie dankt Oscar und Agathe Reinecke von Herzen für das nette Geschenk und die verständnisvollen Worte. Während Agathe ihr einen Kaffee anbietet, steigt Oscar die Treppen hinauf in den dritten Stock, um Nils' und Majas Eltern zu gratulieren. "Wann kommt denn das Baby?", fragt er lächelnd. Die Kinder strahlen. Ihr Plan ist aufgegangen!
 
  • Like
Reaktionen: 1 user

Weihnachtswichtel

Bekanntes Mitglied
Uploader
Mitglied seit
9 November 2020
Beiträge
211
Punkte
93
… und guten Rutsch ins neue Jahr!
Später spielen die Kinder im Hof und erzählen, was sie am Abend vorhaben. "Wir besuchen unsere Tante, wie immer an Silvester", antworten die Sommerfeld-Zwillinge. Sie wirken nicht besonders begeistert, denn die Tante wohnt ziemlich weit weg, und lange Autofahrten sind so öde.
"Bei uns ist Arbeit angesagt, ein Kegelclub aus der Nachbarstadt hat die Pizzeria komplett gemietet. Mama und Papa haben ein leckeres Buffet vorbereitet", sagt Lorenzo. Auch er freut sich nicht gerade auf den anstrengenden Abend.
"Wir fahren zu Muttis Freundin und bleiben über Nacht", erzählt Linus. "Muttis Freundin hat keine Kinder, bei ihr muss man immer ganz still sein und darf nicht stören. Voll langweilig."
"Ich darf mit Paps zum Theater gehen", berichtet Josefine. "Das ist schon spannend, aber ich bin dort immer das einzige Kind."
Nur die Fröhlichs bleiben zu Hause. Ganz gemütlich. So ist jedenfalls der Plan. Aber dann kommt alles anders. Denn dann kommt der Eisregen …
Der Kegelclub aus der Nachbarstadt sagt ab - die Straßen sind spiegelglatt. Sommerfelds rufen bei Tante Lisa an. Dort hagelt es. "Ihr dürft auf keinen Fall fahren, viel zu gefährlich", sagt sie. Selma Frühauf erkundigt sich am Bahnhof, ob die Züge wie geplant fahren. Nein, tun sie nicht. Sogar bei den Käfers gibt es eine Planänderung: "Die Theatervorstellung fällt aus, in der Stadt herrscht ein heilloses Verkehrschaos", sagt Josefines Vater.
Da hat Allegra Di Palma eine wirklich geniale Idee. Ein paar Telefonate genügen, und alles ist geklärt. "Da werden sich Maja und Nils aber freuen", lächelt Rufus Fröhlich, als sie mit ihm spricht.
Das glaubt auch Oscar Reinecke. Dann ruft er: "Kinder, helft ihr mir, den Gehweg bis zur Pizzeria mit Sand und Split zu sichern? Wir wollen doch nicht ausrutschen, wenn wir gleich rüberlaufen, um dort alle zusammen Silvester zu feiern!"
 
Oben Unten